Anleitung

Muttersprachlicher Unterricht und
konventioneller Sprachunterricht

Der normale Fremdsprachenunterricht

Beim normalen Schulunterricht in einer Fremdsprache wird meist übersetzt, z.B. von Deutsch ins Englische oder umgekehrt; im weiteren Unterricht werden meist englische Texte ins Deutsche übersetzt.

Spezielle Schwierigkeiten beim Übersetzen werden in deutscher Sprache erklärt, z.B. die Wandlung eines Eigenschaftswortes in ein Adverb (quick, quickly), die ja in der deutschen Sprache nicht erkennbar ist.

Das Gleiche gilt für die im Englischen typische Verlaufsform (to go, I am going), die in dieser Art im Deutschen nicht üblich ist. Alles ist erklärbar, neue englische Vokabeln müssen zu Hause gelernt werden, Ihre Bedeutung ist durch die deutsche Übersetzung geklärt.

Muttersprachlicher Deutschunterricht

Ganz anders ist es beim muttersprachlichen Unterricht. Wenn der Kursleiter die fremde Sprache seiner Schüler nicht kennt, ist eine Übersetzung wie oben geschildert nicht gegeben.

Dennoch ist auch in diesem Fall ein Unterricht möglich. Wenn ein Kleinkind seine Muttersprache lernt, gibt es ja auch keine Übersetzungsmöglichkeiten. Doch anhand von Gegenständen, die gezeigt werden, lernt das Kleinkind die Namen der Dinge und der Personen, und in alltäglichen Situationen lernt das Kind die Namen von Tätigkeiten und Eigenschaften.

Im muttersprachlichen Unterricht für fremdsprachige Schüler müssen Bilder oder Bilderreihen das Lernen des Kleinkindes in alltäglichen Situationen ersetzen. Wie das geschehen kann, soll anhand der Bilder- und Texte auf den Seiten 38 bis 40 erklärt werden. (Siehe Titelbild von Arbeitsheft 1)

Beispiele für muttersprachlichen Unterricht

Bei den Bildern von Gegenständen ist das Verstehen der Bedeutung leicht. Die meisten Bilder sprechen für sich. Bei manchen Darstellungen, wie z.B. bei den Bildern von Bekleidungen, kann der Kursleiter anhand von mitgebrachten Textilien zeigen, dass trotz unterschiedlicher Formen und Farben oft nur ein einziges Bild und nur ein Wort zuständig sind.

Doch auf S. 38 werden Tätigkeiten dargestellt. Diese müssten zur Klarstellung ihrer Bedeutung vom Kursleiter und den Kindern gespielt werden.

Doch im Gegensatz zum Kleinkind, das zum Verstehen von Tätigkeitswörtern viele derartige Situationen erleben muss, genügt bei fremdsprachigen Schülern eine einmalige Demonstration der Bedeutung im Spiel.

Der Schüler kennt ja die dargestellten Tätigkeitswörter in seiner eigenen Muttersprache, und so erfolgt bei ihm eine Art stille Übersetzung in seinem Kopf, die nicht ausgesprochen werden muss.

Da die deutschen Namen der Personen auf S.38 schon gelernt wurden, können von den Schülern schnell einfache Sätze gebildet werden: „Der Junge und das Mädchen spielen. Das Mädchen malt.“

Schwieriger wird es auf dem Bogen 39: Pfeile zeigen auf verschiedene Gegenstände, die in kompliziertere Sätze eingebaut werden sollen: „Der Junge spielt mit dem Auto. Das Mädchen spielt mit der Puppe.“

Die Artikel und das Wort „mit“ sind in der Textvorlage auf Bogen 40 schon vorgegeben. Das Wort „mit“ kann im muttersprachlichen Unterricht nicht erklärt werden. Doch durch die Wiederholung dieses Wortes in 5 von 6 der schriftlichen Aufgaben wird dargestellt, dass „Auto, Puppe, Kreide, Schere, Bausteine und Füller“ eine Art Werkzeug darstellen, durch das man „spielen, malen, schneiden, bauen und schreiben“ kann.

Die Entstehung eines Sprachgefühls

Das Kleinkind braucht viele entsprechend erlebte Situationen, bis es das Wort „mit“ intuitiv versteht und später auch selbst anwenden kann. Doch der fremdsprachige Schüler kennt die auf den Bildern dargestellten Situationen, und für das Wort „mit“ gibt es in seiner Muttersprache irgendeine Entsprechung, und so wird er das Wort „mit“ in seinen Gedanken still übersetzen.

Es kann zunächst auch nicht erklärt werden, warum die Artikel „der, die, das“ durch das Wort „mit“ umgewandelt werden: „mit dem Auto, mit der Puppe“. Deshalb werden im Text auch alle Artikel vorgegeben. Erst in späterer Zeit wird die Änderung der Artikel in den vier Fällen eingeübt.

Dennoch kann durch das mündliche Einüben und Sprechen der Sätze und durch das spätere Schreiben der erste Anfang eines Sprachgefühls entstehen, sodass später das Wort „mit“ automatisch mit einem Artikel im Dativ (3. Fall) verbunden wird.

Ein Kleinkind lernt seine Muttersprache durch stete Wiederholungen und spätere Nachahmung. Der Gehörlosenlehrer muss bei tauben Kindern diese natürliche Spracherwerbung künstlich nachahmen, eine sehr mühsame und langwierige Arbeit.

Doch der fremdsprachige Schüler weiß schon alle Sprachformen. Durch Lehrer, die seine Sprache kennen, kann er die deutsche Sprache relativ einfach lernen. Doch diese Lehrer, die Arabisch und viele andere Fremdsprachen gut beherrschen, gibt es viel zu wenig.

Und wenn ein anderer Lehrer dennoch so einen Sprachkurs leiten will, besteht die große Gefahr, dass die Schüler seine Worte nicht richtig verstehen können und irgendwann frustriert aufgeben.

Alle Helfer können muttersprachlich unterrichten

Dagegen kann der muttersprachliche Unterricht von allen Personen erteilt werden, die pädagogisch interessiert und hilfsbereit sind, seien es Lehrer oder ehrenamtliche Kursleiter. Und es muss dabei keine großen Probleme geben, da anhand der Bilder auch eine Übersetzung möglich ist, nur still und unausgesprochen im Kopf des Schülers.

So ist zu hoffen, dass durch diesen muttersprachlichen Kurs endlich genug Lehrkräfte zur Verfügung stehen, um das stille Leiden fremdsprachiger Schüler in deutschen Schulklassen zu beenden. Und natürlich können auch erwachsene Ausländer durch diesen Kurs Deutsch lernen.