Allgemeine Ratschläge zum Deutschkurs

Der mündliche Unterricht ist die Hauptsache

Der Aufbau des vorliegenden Sprachkurses könnte dazu verleiten, den Kurs als eine vorwiegend schriftliche Aufgabe zu sehen. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Die mündliche Arbeit steht im Vordergrund. Dabei ist entscheidend, dass die Schüler die Bilder auch richtig verstehen.

Das ist bei den Darstellungen von Gegenständen nicht allzu schwierig. Dennoch wäre es hilfreich, wenn der Unterrichtende die „Hamburger Bildserie zur Sprachförderung“ zur Hand hat, da die farbigen Originale weitaus klarer zu erkennen sind.

Am Ende der Unterrichtseinheit wäre es schön, wenn die Schüler die Kopien mit Buntstiften selber kolorieren könnten, oder sie bekommen diese Arbeit aus Hausaufgabe.

Gegenstände für ein besseres Sprachverständnis

Am Anfang des Kurses, wenn der Lernvorgang für die Schüler noch recht neu ist, wäre es gut, wenn der Unterrichtende viele Gegenstände mitbringt, die die Schüler dann den Bildern unter Nennung der Namen zuordnen. Das gilt besonders, wenn meine Bildserie am Anfang noch nicht zur Verfügung steht.

Das Auswendiglernen der Namen von Gegenständen wird auch viel abwechslungsreicher, wenn diese Aufgabe anhand vieler mitgebrachter Gegenstände gelöst wird, als wenn immer nur auf die Bilder gezeigt werden muss.

Interessant wäre auch, wenn mit den unterschiedlichen Gegenständen ein Frage- und Antwortspiel gestaltet wird. Die Schüler bekommen unterschiedliche Gegenstände in die Hand und nun erfolgen Frage und Antwort: „Was hat Achmed?“ „Achmed hat einen Ball.“ Dieses Spiel kann man bei den meisten neu auftretenden Gegenständen wiederholen.

Wichtig ist vor allem, wenn die Schüler erfahren, dass auch recht unterschiedlich aussehende Gegenstände den gleichen Namen tragen können.

So wäre bei dem Erlernen von Kleidungsstücken ratsam, wenn der Unterrichtende eine Fülle von Textilien mitbringt, um sie den Bildern zuordnen zu lassen, damit die Schüler erkennen, dass trotz unterschiedlicher Formen und Farben oft nur ein Bild und ein Name zuständig sind.

Tätigkeiten müssen gespielt werden

Weitaus schwieriger ist es, bei den dargestellten Tätigkeiten und Eigenschaften die Klarheit der Bildaussage hervorzuheben. Das geht am besten, wenn man die Tätigkeiten von den Schülern spielen lässt.

Für das Wort „kaufen“ könnte der Lehrer etwas Geld und z.B. einige Süßigkeiten mitbringen, um den Vorgang eindeutig spielen zu lassen. Jeder Schüler bekommt einige Cent und darf sich dafür einige kleine Süßigkeiten kaufen.

Wieweit eine solche Darstellung nötig ist, hängt natürlich auch von den Schülern ab. Wenn bei etwas älteren Schülern offensichtlich ist, dass sie den Begriff verstanden haben, kann man auf die spielerische Darstellung auch verzichten.

Einfache Gebärden als Hilfen zum Verständnis

Für die Verdeutlichung der Tätigkeiten wäre es auch sinnvoll, einfache Gebärden zur Hilfe zu nehmen, die überall auf der Welt verstanden werden. „Essen“ und „trinken“ lassen sich sehr leicht darstellen; für „schlafen“ legt man den seitlich geneigten Kopf auf eine Hand und schließt die Augen.

Hauptwörter immer mit Artikel lernen lassen

Bei den Bildern der Gegenstände sind mit den Schriftbildern immer Einzahl und Mehrzahl vorgegeben, vor allem aber die Artikel: „der, die“ oder „das“.

Das grammatikalische Geschlecht der Wörter, das in der deutschen Sprache Ausländern recht willkürlich erscheint, ist oft schwer zu lernen. Deshalb sollte der Lehrer sehr darauf achten, dass beim Nennen von Namen der Gegenstände immer der Artikel in der Einzahl mitgesprochen wird, damit dieser gleichzeitig mit dem Wort gelernt werden kann.

Bei den Darstellungen von Tätigkeiten wird stets den Bildern entsprechend die 3. Person in Einzahl und Mehrzahl genannt. Die anderen Verbformen werden später eingeführt.

Erst nach dem Erarbeiten der neu gelernten Begriffe und nach dem richtigen Sprechen der dazu gehörigen Sätze erfolgt zum Ende der Unterrichtseinheit die schriftliche Arbeit.

Ganz wichtig ist die stete Wiederholung der zuvor gelernten neuen Begriffe mit den dazu gehörigen Sätzen. Jede Unterrichtsstunde sollte mit der Kontrolle der vorher gelernten Unterrichtsinhalte beginnen. In Stichproben sollten auch Inhalte früherer Stunden wiederholt werden.

Erst danach werden neue Begriffe gelernt und möglichst in Sätzen eingeübt. Gegen Ende der Unterrichtseinheit erfolgt die Besprechung der schriftlichen Aufgabe in Sätzen, die von allen Schülern gesprochen werden.

Bei der schriftlichen Arbeit kontrolliert der Lehrer die notierten Aufgaben und hilft bei Schwierigkeiten. Ganz zum Schluss werden die richtig geschriebenen Sätze vorgelesen.

Neue Begriffe stets in Sätzen einüben

Wie schon erwähnt, habe ich in meinem Sprachkurs großen Wert darauf gelegt, dass nicht nur die deutschen Wörter einzeln gelernt werden, , sondern dass sie möglichst sofort in zunächst kurze und einfache Sätze eingebunden werden können.

Da bei einem muttersprachlichen Deutschunterricht zunächst keine Grammatikregeln auswendig gelernt werden können, wird in den ersten Arbeitsheften die richtige Grammatik in den Beispielssätzen vorgegeben.

Lernen der Grammatik im Sprachgebrauch

Die Schüler sollen die Grammatik im Gebrauch der Sprache lernen, genauso wie bei Kleinkindern. Darum sollte, wie schon gesagt, darauf geachtet werden, dass nicht nur die einzelnen Wörter wiederholt werden, sondern auch die Sätze, zuerst mündlich anhand der Bilder und erst zu Kontrolle gemäß den geschriebenen Textseiten.

Erst in den späteren Arbeitsheften wird im Einzelnen auf grammatische Regeln eingegangen, nachdem die Schüler durch viele vorhergehende Beispiele schon gefühlsmäßig meist die richtige grammatische Form verwenden. Dann sollten die Formen allerdings auch richtig gelernt werden.

Vorgegebene Satzformen zur Vermeidung von Fehlern

Die Sätze, die sich aus den Bildern ergeben, sind in ihrer Form meist vorgegeben. Die Schüler sollen, nach mündlicher Besprechung, die Lücken in den Sätzen mit den Wörtern der in den Bildern beschriebenen Personen, Gegenständen und Tätigkeiten ausfüllen.

Dabei ergeben sich in den Sätzen manchmal vorerst noch unbekannte Wörter oder Formen als Ergänzung, die noch nicht erklärt werden können.

Kleinkindhaftes Sprachelernen als Vorbild

Auch das Kleinkind hört beim muttersprachlichen Erlernen der deutschen Sprache zunächst viele noch unbekannte Wörter und Formen, wenn die Eltern vernünftigerweise in korrekten Sätzen sprechen und die Babysprache nicht imitieren.

Das Kleinkind sucht sich die bekannten Begriffe aus dem gesprochenen Text, um den Satz zu verstehen. Die für das Kind noch nebensächlichen Wörter und Formen werden später gelernt. Das Gleiche geschieht im Sprachkurs bei den ausländischen Schülern.

Beispiele für die kleinkindhafte Wortauswahl

Wie sehr ein Kleinkind auf die Sätze der Erwachsenen achtet, sofern es nicht vor dem Fernsehen ruhig gestellt wird, erlebten wir bei unserer Tochter.

Meine Frau unterhielt sich mit Besuchern und erwähnte dabei, dass sie noch Kuchen backen müsse. Unsere damals einjährige Tochter, die still auf dem Fußboden saß, klatschte plötzlich in ihre Hände. Bei den Wörtern „Kuchen backen“ erinnerte sie sich an des Liedchen: „Backe, backe Kuchen“, bei dem in die Hände geklatscht wird.

Als unsere Tochter drei Jahre alt war, unterhielten wir Erwachsenen uns über religiöse Themen. Einer fragte: „Was sagt denn die Kirche dazu?“ Unsere Tochter, die von der religiösen Thematik nichts verstehen konnte, reagierte sofort mit den Worten: „Die Kirche kann gar nichts sagen, die ist aus Stein.“

Dies sind ganz normale Reaktionen bei aufmerksamen Kindern. Sie brauchen deshalb als Kursleiter keine Sorge zu haben, dass es Ihren ausländischen Schülern schadet, wenn Sie in einem Satz zu den wichtigen bekannten Wörtern nebenbei noch einige unbekannte Wörter und Formen anwenden.

Diese allgemeine Anleitung gilt für alle bisher erschienenen acht Arbeitshefte. Nun folgt in den weiteren Kapiteln der Anleitung die Beschreibung von Schwierigkeiten, die sich speziell in den einzelnen Arbeitsheften ergeben können.