Entstehung des Deutschkurses

Dieser Deutschkurs für Ausländer ist nicht am Schreibtisch entstanden, sondern er wurde in jahrelanger praktischer Arbeit an mehreren Gruppen erprobt.

Russisch sprechende Kinder

Im Jahr 1988 wurde den Nachfahren der Wolgadeutschen, die Im Krieg nach Kasachstan umgesiedelt worden waren, die Einreise nach Deutschland erlaubt. In Hamburg kamen die Aussiedler zuerst in ein Auffanglager, ihre schulpflichtigen Kinder wurden in einer benachbarten Schule aufgenommen.

Die älteren Aussiedler kannten die deutsche Sprache noch, nicht aber ihre Kinder, die nur Russisch sprachen. Da die Kinder nichts vom Unterricht verstanden, weinten sie und waren sehr unglücklich.

Um deren Not zu lindern, bildete sich an dieser Schule eine Fraueninitiative, die die ungefähr 20 frustrierten Kinder in einer Sondergruppe zusammenfasste. Diese Frauen konnten die Kinder mit Malen und Basteln beschäftigen, hatten aber ohne Russischkenntnisse keine Möglichkeit für einen Deutschkurs und fühlten sich demnach genauso hilflos wie vorher die zuständigen Lehrer.

Zum Glück bekamen diese Frauen Kontakt zu mir, einem frühpensionierten Gehörlosenlehrer. Ich hatte die Zeit und die Möglichkeit, den betroffenen Kindern zu helfen.

In früheren Jahren hatte ich für gehörlose und andere sprachbehinderte Kinder die „Hamburger Bildserie zur Sprachförderung“ mit ca. 1000 Begriffen entwickelt, die in Farbdruck ein großer Erfolg wurde und auch heute noch zu kaufen ist.

Ich kannte auch nicht die russische Sprache. Aber mit Hilfe meiner Bildserie baute ich für die aus Kasachstan umgesiedelten Kinder den vorliegenden Sprachkurs auf, den die Schüler anhand der Bilder sofort verstehen konnten. Sie lernten die Namen der Bilder zu sprechen, zu lesen und auch zu schreiben und waren fleißig bei der Sache.

Da ich bei den unterschiedlichen Altersstufen der Kinder weitgehend individuell arbeiten musste, waren mir die mithelfenden Frauen nach meinem mündlichen Unterricht eine große Hilfe bei den folgenden schriftlichen Aufgaben.

Mehrere Monate lang unterrichtete ich die Kinder täglich ehrenamtlich und baute diesen Sprachkurs immer weiter aus, und die Kinder lernten in dieser Zeit so viel Deutsch zu verstehen und zu sprechen, dass sie danach in ihre altersgemäßen Klassen erfolgreich integriert werden konnten.

Bosnische Flüchtlinge

Im Jahr 1992 wurde wieder meine Hilfe gebraucht. Im Verlauf des Bürgerkrieges im ehemaligen Jugoslawien flohen viele tausend Bosnier vor Krieg und Verfolgung nach Deutschland. Ein Teil von ihnen fand Unterkunft in einem Containerlager in Hamburg-Poppenbüttel.

Einer Gruppe von ca. 20 Bosniern, Erwachsenen und älteren Kindern, habe ich innerhalb eines Jahres zweimal wöchentlich wieder ehrenamtlich anhand meiner Bildserie Deutschunterricht erteilt. Dabei wuchs dieser vorliegende Kurs auf insgesamt 368 Din-A4-Seiten, die ich in einem Kopiergerät für die Kursteilnehmer vervielfältigte. Damit umfasste der Kurs fast den gesamten Bild- und Wortschatz meiner „Hamburger Bildserie zur Sprachförderung“.

12 Bosnier haben den Kursus das ganze Jahr durchgehalten. In dieser Zeit lernten sie ca. 2000 deutsche Wörter in entsprechenden Sätzen, sodass sie einfache Gespräche mit Deutschen führen konnten.

Besonders eifrig waren einige junge Frauen, die ihre Chance für ein Bleiben in Deutschland erkannten. Eine von ihnen begrüßte mich nach Jahren als Kellnerin in einem Restaurant.

Ein gehörloser Tscheche

Anhand dieses Kurses unterrichtete ich danach im Auftrag der Hamburger Sozialbehörde einen intelligenten Gehörlosen aus der Tschechei, dessen Arbeitsplatz bei einer Hamburger Behörde wegen mangelnder deutscher Sprachkenntnisse wackelte.

Ihn unterrichtete ich drei Jahre lang einmal wöchentlich, wobei mein Sprachkurs auf über 800 Din-A4-Seiten wuchs. Dafür verwendete ich schließlich u.a. Bilderreihen, die oft kompliziertere Handlungsabläufe des alltäglichen Lebens zeigten, bis der Arbeitsplatz des Gehörlosen voll gesichert war.

Zusammenfassung

So ist dieser Sprachkurs mehrfach hintereinander durchgeführt worden und hat sich stets bewährt, auch wenn diese acht bisher daraus entstandenen Arbeitshefte äußerlich primitiv erscheinen mit den Kopien der einzelnen Bilder aus meiner Bildserie und mit den vielen handschriftlichen Eintragungen in diese Bilder und in den daraus hervorgehenden Sätzen. Alles ist mit der Hand geschrieben; auf äußerliche Schönheit konnte ich keinen größeren Wert legen.

Anders ist es bei meiner „Hamburger Bildserie zur Sprachförderung“, die nach meinen Vorlagen professionell farbig gestaltet wurde.

Es wäre ja schön, wenn die acht Arbeitshefte auch in Farbe erscheinen könnten; dann würde aber der Preis für die einzelnen Hefte weitaus höher liegen. Als eine Hausaufgabe können die Kinder ja die Bilder farbig anmalen.

Besonderen Wert legte ich bei der Gestaltung meines Sprachkurses auf das Einüben von Satzkonstruktionen. Die Sätze, nicht die einzelnen Wörter, stehen im Mittelpunkt des Kurses; denn die Schüler sollen in Sätzen richtig sprechen und schreiben lernen. Bereits auf dem Arbeitsblatt 5 des Kurses werden die ersten einfachen Sätze nach Vorlagen eingeübt.